Samstag, 28. Oktober 2017

"Es geht nicht darum, das perfekte müllfreie Leben zu führen" - Ohne Wenn und Abfall [Rezension]

Ein ganzes Buch darüber, wie man keinen Müll produziert - wie unterhaltsam kann das schon sein? Das fragte ich mich ehrlich gesagt vor der Buchpremiere von Ohne Wenn und Abfall von Milena Glimbovski. Milena Glimbovski ist, im Kreuzberger Umfeld weiß man das vermutlich sowieso, die Gründerin von "Original unverpackt", einem Supermarkt, der möglichst weitgehend auf Verpackungen verzichtet. In ihrem Buch, das sie an dem Abend vorstellte, geht es aber nur am Rande um den Laden und die Gründung, sondern es ist in erster Linie ein praktischer Ratgeber zum nachhaltigen Leben.


Das Thema Nachhaltigkeit interessiert mich auf einer Ebene, wie es vermutlich viele Menschen beschäftigt: Ich versuche, möglichst oft Bio zu kaufen, habe kein Auto und bemühe mich auch ansonsten, mich nicht als Umweltschwein zu verhalten, so gut ich eben kann. Das Selbernähen brachte mich vom Konsum der gerade modischen H&M-Fummel weg, dem ich als Studentin frönte, und bei meinem eher gemächlichen Nähtempo fange ich nur Projekte an, bei denen ich sicher bin, dass ich sie wirklich mag. Andererseits kaufe ich manchmal Stoff, von dem man nicht genau weiß, woher er eigentlich kommt, und oft einfach nur, weil er mir gefällt, ohne konkreten Bedarf. Oder ist Hobby und/oder Selbstausdruck Bedarf genug? Darf man denn noch Schönes haben, wenn man nachhaltig leben will, oder muss man sich alles Vergnügen verkneifen? Ich finde das kompliziert, und wie man sieht, fordert das Thema  dazu heraus, sich erst einmal zu rechtfertigen, und damit wird es schnell etwas anstrengend und unentspannt.

Also kann Müllvermeidung unterhaltsam sein? Sehr sogar - wenn sich Milena Glimbovski des Themas annimmt! Dann wird es nämlich anekdotenreich, humorvoll, selbstironisch und undogmatisch. Und - vor allem das lernte ich an diesem Abend - es verlangt niemand, dass man von heute auf morgen sein ganzes Leben umkrempelt. Auch kleine Schritte zählen.

Milena Glimbovski im Gespräch mit Christian Neidhart

Ohne Wenn und Abfall geht genauso kleinschrittig vor und nimmt die Leserinnen bei der Hand: Systematisch werden alle Lebensbereiche auf Müllvermeidungspotential untersucht. Worauf kann man verzichten, was kann man ersetzen, was wäre eine verpackungsfreie Alternative? Zum Teil gibt es sogar konkrete Rezepte, zum Beispiel für Kosmetik oder Putzmittel. Ohne Wenn und Abfall befasst sich aber auch mit nachhaltigem Kleidungskaufverhalten, mit Müllreduktion im Büro und bei der Wohnungseinrichtung. Natürlich könnte man über jedes dieser Themen mindestens ein eigenes Buch schreiben, die Kapitel bilden aber einen guten Einstieg: Man wird für die Problematik sensibilisiert, versteht die Zusammenhänge, lernt, die richtigen Fragen zu stellen, und bekommt Tipps und Vorschläge, die sich tatsächlich sofort umsetzen lassen. Dass es so einfach ist, es besser zu machen, motiviert, weitere Veränderungen anzugehen.

Milena Glimbovski schreibt dabei so, wie sie bei der Buchpräsentation im Gespräch mit ihrem Lektor Christian Neidhart auch erzählt: Anschaulich und ironisch, unterhaltsam, mit eigenen Erfahrungen oder popkulturellen Referenzen gewürzt (über Fight Club freute ich mich besonders), niemals moralisierend oder besserwissend, denn sie berichtet auch von Rückschlägen und Irrtümern. Das liest sich flott weg, gleichzeitig steckt der Text voller Informationen, die man im Vorüberlesen aufnimmt, und die allerdings noch ein wenig nützlicher wären, gäbe es ein Register. Aber auch so motiviert das Buch sehr, die eigene Bequemlichkeit zu überwinden und Schritt für Schritt ein Leben mit weniger Müll und weniger Konsum umzusetzen, denn es überfordert den Leser nicht.

Eine Auswahl von Produkten des "Original unverpackt"-Supermarkts

Mir wurde vor allem deutlich, dass Perfektionismus in Sachen Müllvermeidung - nach dem Motto: entweder ganz oder gar nicht, und wenn ich es nicht richtig mache, kann ich es gleich lassen - gar nicht nötig ist, wenn man sich damit nur selbst blockiert. Jeder Müll, der gar nicht erst verursacht wird, ist ein guter Schritt, und ich muss nicht gleich zum dogmatischen Superöko mutieren, um heute einen ersten Schritt zu gehen. Und morgen dann gleich noch einen.


Milena Glimbovski: Ohne Wenn und Abfall. Wie ich dem Verpackungswahn entkam. 
Kiepenheuer&Witsch 2017, ISBN 978-3-462-05019-6
Informationen zum Buch auf der Seite des Verlags hier, dort auch Termine für weitere Lesungen

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Die irische-Fischer-Strickjacke: Seanair von Judith Brodnicki


Als ich in den Achtzigern stricken lernte, sprach man bei Strickpullovern mit kombinierten Zopf- und anderen plastischen Mustern von sogenannten "irischen" Pullovern. Sie waren gerade geschnitten, meistens übergroß mit überschnittenen Schultern und aus naturweißer, ziemlich dicker Wolle gestrickt. Mit der damals üblichen Karottenjeans und einer großzügig geschnittenen Jeansjacke kombiniert, entstand die Silhouette einer Tonne. Einer geschlechtslosen Tonne, denn diesen Look trugen Männer wie Frauen und sahen darin nahezu gleich aus. In den frühen Neunzigern wurde die Karottenjeans bei Gymnasiastinnen dann vielfach durch Leggings ersetzt - der Pullover sollte dann knapp über den Po reichen. Weniger wagemutige Mädchen (ich) trugen stattdessen Shorts oder abgeschnittene Jeans und eine blickdichte Strumpfhose. Dazu hohe Schnürstiefeletten aus braunem Wildleder, ähnlich wie Desert Boots. Noch häufiger als den irischen Pullover trug ich eine lange, geknöpfte Strickjacke mit V-Ausschnitt, aus hellgrau melierter Wolle, ebenfalls mit den typischen Rauten und Zöpfen. (Und ich hatte dunkelgrüne, geschnürte Wildlederpumps mit etwas Plateau - was würde ich dafür geben, wenn ich diese Schuhe noch einmal bekommen könnte!) Einen dunkelgrünen Pullover mit lauter Rauten gab es auch, und wenn ich mich richtig erinnere, hatte ich auch noch einen ähnlichen weinroten.


Ihr seht, mich verbindet eine längere Geschichte mit diesen Strickmustern und den Pullovern, die man früher undifferenziert als "irisch" bezeichnete. Seither habe ich zwar sehr viel über das Stricken dazugelernt, aber nie wieder einen ganzen Pullover oder eine ganze Jacke mit Zopfmustern angefertigt. Die untaillierten, kastigen Pulloverschnitte gerieten aus der Mode, und die Zopfmuster irgendwie auch, zumindest, wenn sie auf traditionell anmutende Weise mit Wabenmustern, Rauten und Perlmuster kombiniert waren.


Als es im Sommer an die Suche nach einem passenden Strickmuster für ein Geburtstagsgeschenk für Herrn Nahtzugabe ging, bekam ich aber unbändige Lust, nach Jahren mal wieder Zöpfe zu stricken - und zwar nicht einen Zopf hier und da, und den Rest glatt, sondern sozusagen Zöpfe satt und Muster überall.


Die Suche in Zeitschriften und im Netz nach einem Strickmuster, das meiner Vorstellung entsprach, geriet ziemlich kurz: Es gibt recht wenig Anleitungen für Herrenstrickjacken, und da ich mich schon für ein bestimmtes Garn (Drops Lima, Farbe 4305 dunkelblau) entschieden hatte, schrumpfte der Kreis der Kandidaten schnell zusammen. Übrig blieb die Jacke "Seanair" von Judith Brodnicki, 2012 bei knitty.com erschienen. Glücklicherweise schaute ich auch bei ravelry nach und entdeckte rechtzeitig die Korrekturen der Anleitung - es sind auch einige Fehler in der Reihe, in der das Muster angelegt wird. Davon abgesehen fand ich die Anleitung wirklich gut und ich danke einmal mehr der internationalen Strickcommunity, die solche ausgeklügelten Anleitungen kostenlos zur Verfügung stellt.


Die Jacke wird von unten nach oben ohne Nähte gestrickt. Die Zopfmuster hat man schnell im Kopf, nur das rechts-links-Rautenmuster an der Seite im unteren Teil fand ich ein bißchen anstrengend und war froh, als es zu breiten Rippen wechselte. Die Ärmel werden in die Armlöcher eingestrickt, ohne Armkugel, aber in der Achsel gibt es einen Zwickel, bei dem einige Maschen abgenommen werden, so dass der Schnitt doch etwas raffinierter ist als die T-förmigen Pullover der Achtziger. Die Ärmel waren viel zu lang, das ahnte ich schon, denn viele Strickerinnen berichteten bei ravelry davon. Ich kürzte sie daher gleich etwas, aber noch nicht genug, so dass ich die Ärmelabschlüsse nach dem Anprobieren um weitere 5 cm verkürzte.


Das Einnähen des Reißverschlusses war nicht so ein Drama, wie ich befürchtet hatte. Natürlich musste die fertig gestrickte Jacke ein bißchen ablagern, ehe sie für den Reißverschluss reif war. Da sich der Reißverschlusskauf bei Yavas, meinem Lieblingsladen für solche Kurzwaren, mit einer taiwanesischen Nudelsuppe im Lon Men's Noodle House auf der Kantstraße verbinden ließ, wurde sie pünktlich zu Beginn der Strickjackensaison fertig.


Den Reißverschluss nähte ich mit normalem Nähgarn mit der Hand ein (mit Rückstichen) und nähte anschließend ein schmales, schwarzes Schrägband von innen dagegen, das die Stiche der Rückstichnaht verdeckt. Oben verschwindet der Reißverschluss im doppelt gelegten Kragen, unten ist das Schrägband um das Reißverschlussende herumgefaltet.


Und ist "Seanair" nur eine "irische" Strickjacke? Nicht ganz. Ich habe mich nur ein wenig in die verwickelte Geschichte des Strickpullovers auf den Britischen Inseln vertieft. Die cremeweißen, grobgestrickten Pullover mit Zopfmustern in Längsrichtung, die bei uns in den späten 1980ern und frühen 1990ern so beliebt waren, sind Pullover von der Insel Aran, einer Insel vor der Westküste Irlands.

Die von einem Heimatforscher in die Welt gesetzte Legende, die Musterung der Aranpullover gehe auf keltische Zeiten zurück, wurde aber inzwischen widerlegt. Tatsächlich entwickelte sich dieser Pullovertyp wohl erst Ende des 19. Jahrhunderts, als es in Irland ein staatliches Programm gab, das zur Verbesserung der Lebensumstände in besonders armen Regionen beitragen sollte. Die Bewohner der Araninseln bekamn nicht nur Know-How in Sachen Fischerei vermittelt, auch das Stricken von Pullovern nach Vorbild der Ganseys oder Guernseys - plastisch gemusterte Fischerpullover von der Insel Kanalinsel Guernsey - wurde angeregt. Die Bewohner Arans verwendeten die lokale, gröbere Wolle zum Stricken, beließen sie in der Naturfarbe, und gaben den Mustern ihren eigenen Twist. Während klassische Ganseys aus dunkelblauer, feinerer Wolle vor allem im oberen Teil gemustert sind und Unterarme und unterer Teil des Rumpfes glatt bleiben, verlaufen die Muster bei Aranpullovern über die ganze Länge von Vorder- und Rückenteil, und ein Wabenmuster als Mittelstreifen scheint typisch zu sein. Der Pullovertypus des Gansey verbreitete sich mit der Zeit in allen Küstenorten Großbritanniens und Irlands, wobei jede Region charakteristische Muster und Musterzusammenstellungen entwickelte.

Wohl doch nur Ornamente und nichts Gestricktes

So viel in Kürze - ich würde mich gerne noch ausgiebiger mit dieser Stricktradition beschäftigen. Wie bei den deutschen Trachten, die größtenteils auch erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts entstanden, sind die Fischerpullover wohl ebenso ein Produkt dieser Zeit, die von kulturell begründeter Identitätspolitik geradezu besessen war. Was auch immer David im "Book of Kells" aus dem 9. Jahrhundert trägt, es handelt sich wohl nicht um "die erste bildliche Darstellung von Gestricktem". Davon abgesehen habe ich immer noch Lust, Zopfmuster zu stricken, besitze von 500g Drops Lima in rubinrot im Wollvorrat und denke über einen Pullover für mich nach.   

 

tl, dr oder: die Fakten zur Strickjacke


Anleitung: Seanair von Judith Brodnicki via knitty.com
unbedingt die Korrekturen bei ravelry beachten! 

Garn und Nadeln: Drops Lima, 100 m Lauflänge auf 50 Gramm - knapp 800 Gramm verwendet, verstrickt mit Nadeln Nr. 4, für die Bündchen Stärke 3,5.

Gestrickte Größe: M, Ärmel ca. 8 cm kürzer als in der Anleitung angegeben, Abnahmen im Ärmel enger gesetzt

Dienstag, 10. Oktober 2017

Mehr loben als lästern: Burdastyle 10/2017

Kurz vor dem Urlaub kaufte ich die Burdastyle-Oktoberausgabe, blätterte kurz durch, dachte: Ein gutes Heft! und legte sie beiseite. Jetzt beim Aufräumen kam mir die Zeitschrift wieder in die Hände und ich blätterte erneut, gespannt darauf, ob sich mein schnell gefasster Eindruck bestätigen würde. Tat er! Schon auf der ersten Seite grüßt, anstelle des üblichen Grußworts der Chefredakteure, ein Gruppenfoto der gesamten BurdaStyle-Redaktion. So ein Heft ist eine Teamleistung, und mir gefällt, dass das deutlich wird.

Meine Favoriten aus Heft 10/2017:


Mantel 120, Seite 50 - Designerschnitt von Mykke Hofmann



Mit einem neu aufgelegten Vintageschnitt hatte ich nach der Ankündigung im vorigen Heft gerechnet, einen Schnitt von einem jungen Designerinnenduo finde ich aber sogar noch besser. Diesen besonders, denn ich nähe sehr gerne Mäntel und die unendlichen Möglichkeiten, verschiedene Stoffe bei diesem Schnitt zu kombinieren, finde ich sehr reizvoll: Ton in Ton zum Beispiel, oder lauter verschiedene Tweedstoffe. Zugegebenermaßen ist das eher ein Schnitt zum Träumen: In nächster Zeit werde ich ihn sicher nicht nähen - aber Zeitschriften kauft man ja, um zu träumen, ich zumindest. Und wenn sich Designer- und Vintageschnitt nun im Heft abwechseln sollten, bin ich vollauf zufrieden!

Volantbluse 111 (S. 47 und 18)



Vom Träumen zu aktuellen Wünschen: Diese Ärmelform gefällt mir am gerade genähten Oberteil aus einem alten Hemd (111 Burdastyle 2/2014) sehr gut, der Schnitt passt wegen dem sehr tiefen Armloch aber nur mäßig. Diese Version mit eingesetzten Ärmeln erscheint mir passender, allerdings würde ich den Schnitt erstmal nur einlagig nähen. Rotgrundige Viskose mit großen Hortensienblüten liegt schon bereit.

"Must-Haves" Seite 26 bis 32



Hier gefällt mir die ganze Fotostrecke, denn wie oft sieht man im Modezeitschriften schon eine Frau mit Brille, die nicht mehr 19 ist? Auch wenn Zeitschriften (siehe oben) zum Träumen verführen sollen, finde ich es trotzem schön, wenn sich die Zeitschrift ab und an meiner Lebenswirklichkeit (nicht mehr 19; Brille) annähert. (Von den beiden Outfits oben würde ich witzigerweise aber eher das rechte tragen - wenn auch mit Strumpfhose - das von dem "jüngeren" Model vorgeführt wird. Aber auch das Kleid 103 mag ich).

Meine Flops aus Heft 10/2017:


Die Überschrift ist, zugegeben, reißerisch, denn echte Schnitt-Flops habe ich im Heft nicht gefunden. Aber einen schönen Beleg dafür, dass Stoffwahl und Styling oft auf den ersten Blick für "gefällt" oder "gefällt nicht" entscheidend sind.

"Ladylike"



Die Fotostrecke auf den Seiten 14 bis 23 trifft einfach überhaupt nicht meinen Geschmack kombiniert zielsicher Dinge, die ich nicht mag: Brauntöne und Leomuster, beige und schwarz, und ich kann nicht mal spießige Henkelhandtaschen für meine Abneigung verantwortlich machen - die kommen erst im Anschluss auf Seite 24/25. (Ich war überrascht, dort zu erfahren, dass Kunstlederhandtaschen heutzutage 200 € kosten können. Eine Kollegin im Stoffladen klärte mich auf: Das seien vegane Handtaschen, und in diesem Kontext sei Plastik eben gut und teuer.) Aber ich wollte nicht über Handtaschen lästern, sondern über die Schnitte, und da muss ich zugeben, dass sie mir ganz gut gefallen, wenn ich über die Stoffwahl hinwegsehe - es sind ja zum Teil die gleichen, die auch als "Must-Haves" gezeigt werden.

Nur das Poncho-Überwurf-Dings mit Knoten auf Seite 20 finde ich uneingeschränkt schrecklich, vermutlich weil es mich an eine sich für besonders künstlerisch haltende Kunstlehrerin aus der zehnten Klasse erinnert, das ist ein persönliches Trauma. Und das Kleid daneben ist mal wieder so eine total verkrampfte asymmetrisch-mit-Teilungsnähten-und-Paspel-und-Wickeleffekt-Nummer, die ich in der Art noch nie mochte, vor allem wenn sie einen asymmetrischen, und daher wie verrutscht wirkenden Aussschnitt hat und wie hier aus einem umdefinierbaren grau-braunen Stoff genäht ist und noch dazu schrecklich schlecht sitzt.

 Redaktionelle Waschmittelwerbung Seite 90/91



Bei der letzten Burda-Besprechung hätte ich nicht lobend erwähnen sollen, dass es neuerdings keine Haushaltstipps mehr in Heft gibt, ja einen Stopp der "schleichenden Hauswirtschaftisierung" des Hefts, meinte ich festzustellen. Nun ja. Ich nehme alles zurück. Tun wir einfach so, als wären Seite 90/91 nicht passiert? Es ist hoffentlich nur ein einmaliger Ausrutscher!

Alle Modelle des Hefts finden sich auch hier im Überblick. Da sind aus meiner Sicht viele brauchbare Sachen dabei - auch Bluse 116, Rock 108/109 und Mantel 102 gefallen mir, so einen Jackenschnitt wie 118 kann man immer brauchen und die großen Größen (121-127) sind schön vielfältig dieses Mal. Am 20. 9. ist außerdem ein Sonderheft "Burda plus" (Größe 44-54) erschienen.

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Balenciaga: Shaping Fashion in London (noch bis 18. 2. 2018)


Nach ein paar Tagen aus London wieder zuhause, habe ich meinen Bilderwust durchsortiert und kann euch ein paar Fotos von der Balenciaga-Ausstellung im Victoria&Albert-Museum zeigen. Es ist ja immer ein bißchen gemein, anderen mit so einer Modeaussstellung ganz weit weg den Mund wässrig zu machen, aber immerhin läuft diese noch bis zum 18. Februar nächsten Jahres, so dass zumindest theoretisch noch genügend Zeit wäre, eine Reise nach London zu planen.


Christóbal Balenciaga also und sein Einfluss auf die nachfolgenden Modeschöpfer-Generationen wird in einer Sonderausstellung im V&A gezeigt. Der erste Teil der Ausstellung konzentriert sich auf die Jahre von 1937 bis 1968, auf die Jahre, in denen das Modeunternehmen Balenciaga in Paris bestand.

Christóbal Balenciaga, Jahrgang 1895, kam jedoch nicht aus dem Nichts: Er hatte in Spanien eine Schneiderlehre absolviert und dort bereits ein Modehaus gegründet, ehe er 1936 nach Frankreich emigierte. Seine Arbeitsweise als Designer ist daher vom Handwerklichen geprägt: Er beherrschte sowohl die Schnittkonstruktion auf dem Papier, als auch das Drapieren, und da er sich auch mit Verarbeitungstechniken bestens auskannte, muss er ein entnervend akribischer Chef gewesen sein.

Das Armloch, die Ärmel und die Schultern hielt er für den guten Sitz des Kleidungsstücks für entscheidend - und jede Selbermacherin, die sich schon mal genauer mit Passform befasst hat, wird ihm zustimmen. In der Ausstellung ist ein kurzer Filmschnipsel in Schwarzweiß zu sehen, in dem Balenciaga kurz vor einer Modenschau die Kleidungsstücke kontrolliert und bei einem Model einen Ärmel aus dem Armloch reißt. Davon abgesehen tritt die Person Balenciaga vollkommen hinter das Label und die Kleidungsstücke zurück: Er gab keine Interviews und trat auch nicht öffentlich auf, seine Kollektionen zeigte er aus Angst vor Kopisten nur seinen Kundinnen und Einkäufern der großen Luxuskaufhäuser, unter Ausschlus der Presse.    

Mohairpelz, den Ascher Textiles für Balenciaga entwickelte

Ich war sehr begeistert davon, wie die Ausstellung das Werk Balenciagas aufschlüsselt. Die Kleider sind einerseits in Vitrinen an Schneiderpuppen zu sehen, dazu gibt es fast immer ein Foto des Kleides an einer Person, entweder bei einer Kollektionspräsentation oder ein Modefoto aus einer Zeitschrift, und drittens die Modellzeichnung mit angehefteter Stoffprobe, man sieht die Kleider also quasi  aus verschiedenen Perspektiven.

In dieser Vitrine geht es um den Einsatz von Stickereien
Geradezu sensationell sind die Röntgenbilder, die Skelett und Innereien der Kleider freilegen: Die voluminösen Abendroben bauen immer, auch wenn sie körperfern wirken, auf einer Corsage auf und enthalten stützende Strukturen aus Flachstahl oder Drähten - in einem Fall sieht man im Röntgenbild sogar zwei Stecknadeln, die beim Säumen vergessen wurden.

Das Ballkleid und sein Röntgenbild
Die Konstruktion einiger Kleider wird dazu in kurzen Videos nachvollzogen: In einer Animation fügen sich die flachen Schnittteile zu einem dreidimensionalen Kleid zusammen, ganz anschaulich, auch für Besucherinnen, die sich mit Nähen und Schnittkonstruktion bisher noch nie beschäftigt haben. Das Entstehen eines Kleides durch Drapieren oder das Verwenden eines Schnittmusters wird ebenso gezeigt.

Eine weitere Vitrine widmet sich Balencias Nebenlinie Eisa. Unter diesem Namen ließ er in Spanien, und daher mit geringeren Lohnkosten als in Paris, Kleiderkollektionen fertigen, auch luxuriös, auch aus besten Materialien, aber nicht ganz so kostspielig und vor allem nicht so modern wie die Kleider seiner Hauptlinie. Eisa ist sozusagen die etwas biedere, konventionellere, aber niedliche Schwester von Balenciaga, mit typischen 50er-Jahre-Silhouetten.



Beeindruckend: Die Schuhauswahl von Elisabeth Parke Firestone, einer guten Eisa-Kundin, die sich zu jedem Outfit Schuhe in der passenden Farbe anfertigen ließ. Und die ansonsten sehr genaue Vorstellungen hatte, wie und aus welchem Stoff die Kleider geschneidert und wie die Entwürfe für sie geändert werden sollen und die dies per Brief mit der Schnittdirektrice von Eisa besprach. Balenciaga bekam davon glücklicherweise nichts mit, denn so, wie man ihn in der Ausstellung kennenlernt, wäre er von solchem Herumgepfusche nicht begeistert gewesen. Es reichte sicher schon, dass sich Rita Hayworth eine riesige Blütenborte auf ein ansonsten wunderbar schlichtes, aber raffiniertes, extravagantes schwarzes Cape applizieren ließ!



In der zweiten Etage geht es dann um den Einfluss Balenciagas auf andere Designer, angefangen mit seinem Schüler Givenchy, bis hin zu Demna Gvasalia, dem derzeitigen Chefdesigner der Marke Balenciaga. In der Gegenüberstellung werden die Inspirationen deutlich - die Jacke von 2006 im Bild oben, entworfen von Nicolas Ghesquière, der zeitweilig ebenfalls Kreativchef von Balenciaga war, wirkt fast wie eine Kopie der alten Designs. (Das rosa-weiße Puschelkleid im Hintergrund ist auch berühmt, ich habe aber nicht mehr parat, von wem das war).

"Shaping Fashion" ist eine perfekt aufbereitete, unterhaltsame wie lehrreiche Ausstellung, die ich sehr empfehlen kann. Gleich neben diesem Ausstellungsbereich schließt sich eine Mode-Dauerausstellung an, die ebenfalls sehenswert ist. Für diese Dauerausstellung gilt der freie Eintritt des V&A, für Balenciaga hatte ich vorher Karten über die Webseite bestellt, was letztlich nicht nötig gewesen wäre, an einem Freitag um 11.00 Uhr wäre man auch so ohne Wartezeit in die Ausstellung gekommen, aber da es wenig gibt, was ich so hasse wie Anstehen, würde ich auch beim nächsten Mal wieder Karten im Voraus kaufen. Für Daheimbleibende: Auf der Ausstellungswebseite (runterscrollen) kann man einige der Filme aus der Ausstellung ansehen.

Nach der Ausstellung taumelten wir aus dem Museum heraus und aßen vor einem Gartenhäuschen im Hydepark nicht weiter erwähnenswertes Gebäck und machten eine ausgedehnte Wanderung zur U-Bahn Knightsbridge, an Harrods vorbei und über die stillen Straßen mit sicher sehr, sehr teuren und meistens unbewohnt erscheinenden Häusern bis zum Sloane Square. Am nächsten Tag gings zu Anna Sui ins Fashion and Textile Museum, darüber dann mehr beim nächsten Mal!

Mittwoch, 20. September 2017

Impressionen vom Lillestoff-Festival 2017


Vor zwei Tagen kam ich vom Lillestoff-Festival zurück, wo ich insgesamt vier Upcycling-Workshops gegeben hatte. Ehe die Eindrücke in Vergessenheit geraten, möchte ich wenigstens die paar Handyfotos zeigen, die ich während dieser irrsinnigen Nähnerd-Veranstaltung gemacht habe. Wer das Festival nicht kennt: Bei dem Event, das von dem Langenhagener Stoffhersteller Lillestoff veranstaltet wird, treffen sich Nähende von weit her, um an einem Wochenende zwei Tage in einer Messehalle in Langenhagen zu nähen, zu plaudern, Stoff zu kaufen und Workshops zu besuchen.


Dieses Jahr kamen noch mehr Besucherinnen als im letzten Jahr in den Genuss, zwei Tage ungestört durchzunähen - irgendwo hörte ich von 1000 Besucherinnen am Tag, und in der unteren Halle, wo die Nähtische stehen, war kein Durchkommen mehr. In der dritten Etage, der Workshopetage, war es glücklicherweise luftiger und ruhiger. Ich bin auch nicht richtig dazu gekommen, mich unten umzusehen, dazu waren meine Pausen zu kurz.


Wahrscheinlich gehört es sich nicht, einfach fremde Nähmaschinen zu fotografieren (auch wenn eine Nähmaschine kein Persönlichkeitsrecht hat) - aber diese fand ich so klasse, dass ich beim Gehen am Samstagabend ein Bild machen musste. Eine gelbe Privileg Topstar electronic! Ich habe akuten Nähmaschinenneid.


Für die Oberhemden-Refashion-Workshops am Samstag und Sonntag Vormittag hatte ich einige Beispiele mitgebracht - und genügend Material zum Zerschnippeln. Diese Workshops sind für mich immer ziemlich anspruchsvoll und aufregend, denn jede Teilnehmerin näht ein anderes Projekt, noch dazu weiß ich vorher nicht, was für Material die Teilnehmerinnen mitbringen und wie sich die Ideen entwickeln. Das war auch dieses Mal wieder interessant und spannend, und die Teilnehmerinnen waren eine tolle Truppe, die wagemutig losnähten, sich gegenseitig berieten und in viereinhalb Stunden fast alle ein fertiges oder bis-auf-den-Saum-fertiges Teil mit nachhause nehmen konnten.


Am Sonntag habe ich wenigstens an zwei Nachher-Bilder gedacht: Britta (@by_bertitroete bei Instagram) hatte ein weinrotes Hemd, eine knielange graue Sweathose, eine dunkelgraue Hose aus einem leichten Stoff und einen groben Plan für ein Kleid. Die Hosenbeine der im Schnitt auseinandergeschnittenen Sweathose ergaben geradezu perfekte Ärmel. Der Übergang vom Hemd zum Kleid mit einer Raglannaht wurde nach und nach durch Ausprobieren ermittelt - im Rücken gibt es einen dreieckigen Cutout zwischen den Ärmelteilen. Für den Abschluss am Hals probierten wir eine Menge aus: Aufgesteppte Manschetten am Ausschnitt, Stoffstreifen aus dem Hemdärmeln als Schalkragen, aber letztlich war die schlichteste Lösung, ein breites Bündchen, die beste.


Julia nahm sich ein experimentelles Projekt aus dem Buch "Redesign" vor: Ein großes Hemd wird dabei so lange in Falten gelegt, die festgesteppt werden, bis es der neuen Trägerin passt. Im Buch entsteht so eine asymmetrische Bluse (siehe Bild unten), bei Julia entwickelte sich die Sache eher in Richtung Schößchenjacke, auch wenn es zwischendurch nach gar nichts aussah. Nach einem kleinen Durchhänger vor dem Mittagessen brachte dann der V-Ausschnitt den Durchbruch. Leider lässt sich die interessante, strukturierte Oberfläche der Jacke durch ein Handyfoto nicht besonders gut wiedergeben - die Jacke ist wirklich etwas besonderes geworden, und ich bin froh, dass Julia sich an dieses Projekt gewagt hat. Es hätte nach stundenlanger Herumnäherei schließlich auch nur ein seltsames Etwas herauskommen können. Aber das ist das Schöne an Upcyclingprojekten: Man kann Dinge ausprobieren, die man sonst nicht nähen würde, weil das Material schon vorhanden ist und man wenig kaputtmachen kann.  


Die Bluse mit Rüschenärmeln war ja auch so ein Experiment - ich wusste vorher nicht, ob ich diese Ärmel mögen würde - und ich trug sie am ersten Festivaltag. Fazit: ich mag die Ärmelrüschen sehr, bin aber kein Fan der Raglankonstruktion des Schnitts (111 aus Burdastyle 2/2014), weil die Bluse und damit auch die Raglanpartie ziemlich weit ist und die Ärmel daher nicht besonders sitzen. Falls mal wieder das Bedürfnis nach Rüschenärmeln aufkommt, würde ich einen gut sitzenden Oberteilschnitt mit eingesetzten Ämreln entsprechend abwandeln.

Foto: Frau Masulzke

Und nicht zuletzt: Es ist auch immer wieder schön, bei so einem Festival Blog-Bekannte zu treffen, die weit weg wohnen - Gruppenbild mit Frau Crafteln Meike, der Komplizin Dana und rosa p. Rike, wir alle etwas übernächtigt, aber gut gelaunt vom vorherigen Abend, als wir in Klassenfahrtmanier bis zu einer Uhrzeit strickten, die ich lieber nicht zur Kenntnis genommen habe.

Donnerstag, 14. September 2017

Aus einem alten Oberhemd genäht (111 aus Burdastyle 2/2014)


Eine spontane, schnelle und dabei sehr befriedigende Refashion-Näherei habe ich gestern unternommen und dabei festgestellt: Aus einem alten Oberhemd Größe 52 lässt sich mühelos ein kurzes Top mit gerüschten Ärmeln nach Burdaschnitt 111 aus Heft 2/2014 nähen, jedenfalls in Größe 38.

Das Zuschneiden war ganz einfach: Das Vorderteil des Tops passt auf den oberen Teil des Hemdvorderteils, so dass die Knopfleiste in der Mitte verläuft. Am Ausschnitt darauf achten, dass der oberste Knopf weder zu nah noch zu weit weg von der Ausschnittkante ist.


Das Top-Rückenteil passt auf dem oberen Teil des Hemdrückens und die Raglanärmel passten geradezu beängstigend genau auf die Ärmel des Hemds. Ich konnte die Ärmel sogar mit Hilfe des Schnitts 113 aus dem gleichen Heft verlängern, wobei ich eine knappe Handbreit der Verlängerung dann doch wieder wegschnitt. Die Ärmel sind jetzt ab Achsel etwa 20 cm lang.


Der untere Teil des Hemdrückenteils reichte für zwei Stoffstreifen für die Ärmelrüschen. Bei einem Streifen verwendete ich den abgerundeten Hemdsaum einfach weiter und legte Anfang und Ende beim Annähen ein Stück übereinander. Bei der zweiten Ärmelrüsche sind die Enden wie üblich zum Ring verbunden.


Ich bin nicht sicher, ob die Ärmellänge so klug gewählt ist - die Rüsche befindet sich mit dem Saum des sehr kastigen, kurzen Tops fast auf einer Höhe, das könnte insgesamt ziemlich kastig und quadratisch wirken. Da ich das Oberteil am Wochenende beim Lillestoff-Festival anziehen wollte, wo ich zwei Oberhemden-Upcycling-Workshops gebe und wo es sicher nicht besonders warm wird, wollte ich aber unbedingt etwas längere Ärmel haben.

Wie sich die Ärmel- und allgemeinen Proportionen verhalten, kann ich erst richtig beurteilen, wenn ich Fotos von mir in dem Teil gesehen habe. (So weit ist es mit mir also schon gekommen, jahrelanges Nähbloggen hinterlässt seine Spuren: Ohne Outfitfotos geht gar nichts mehr.) Zur Not verkürze ich die Ärmel später noch ein Stück, jetzt am Wochenende trage ich die Bluse erstmal so, wie sie ist. Von der Konstruktion der Raglanärmel bin ich ohnehin nicht so sehr überzeugt - die Naht zwischen den Ärmeln und dem Vorder- bzw. Rückenteil verläuft ziemlich körperfern, das heißt die Armausschnitte sind sehr groß, was für die Beweglichkeit der Arme nicht unbedingt von Vorteil ist. Aber ich will dem Tragetest nicht vorgreifen, vielleicht freunde ich mich ja noch damit an. Genug Hemden, um weitere Rüschenärmelblusen zu nähen, wären vorhanden.

Die Details zusammengefasst:

Schnitt: 111 aus Burdastyle 2/2014, Größe 38
Änderungen: Ärmel ca. 15 cm verlängert, rückwärtiger Ausschnitt hochgesetzt, Ärmelrüsche ausgehend vom vorhandenen Material zugeschnitten
Material: ein altes Oberhemd Größe 52, Rest Schrägband zum Versäubern des hinteren Halsausschnitts, ein Stück von einem anderen Hemd für den Ausschnittbeleg vorne

Mittwoch, 6. September 2017

Fast wie ein heißer Sommertag in China: Maxirock und Burda-Knotenshirt (125 aus Burda 8/2016)

In einem Blogbeitrag über das aktuelle oder vergangene Wetter zu reden ist in der Regel ebenso langweilig wie überflüssig, aber eines muss ich hier doch loswerden: War das ein bescheidener Sommer in Berlin! In den letzten Sommern war es immer heiß, zeitweise sogar sehr heiß, es gab Wochen, in denen man nur nach Mitternacht Türen und Fenster öffnete und sich mit möglichst wenig Bewegung durch den Tag schleppte. Dieses Jahr war alles anders, jeder leidlich warme Tag wurde sogleich von einem Unwetter abgelöst. Es schüttete und stürmte wie in den Tropen und unser Hof lief etwa einmal in der Woche voll, dazwischen gab es Phasen mit nur 18 Grad, in denen eine Strumpfhose gut getan hätte.


Und das obwohl ich mich im Frühjahr endlich nähtechnisch auf superheißes Wetter vorbereitet hatte! Schon im Mai hatte ich mir einen luftigen, flattrigen Maxirock aus dünner Viskose für die sehr, sehr heißen Tage genäht - und dann bis Juli keine dementsprechenden Temperaturen vogefunden. Und es danach nie geschafft, den einen heißen Tag zwischen den Unwettern abzupassen.


Beim Besuch der IGA, der Internationalen Gartenausstellung in Berlin, habe ich den Rock vor ein paar Tagen dann auch eher aus Trotz angezogen: Er musste jetzt einfach noch einmal raus, bevor er überhaupt nicht mehr in die Jahreszeit passt. 


Die Konstruktion des Maxirocks ist denkbar simpel: Zwei etwas ausgestellte Rechtecke, knapp einen Meter breit, an den Seiten bis auf zwei hohe Schlitze zusammengenäht. Im Bund ist ein breites Gummiband eingenäht.


In die linke Seitennaht habe ich eine Tasche eingearbeitet - im zweiten Anlauf, ich hatte den Rock schon fertiggenäht, als mir einfiel, dass ich Taschen haben wollte. Daher wurde es dann nur eine, ich hatte keine Lust, beide Seitennähte wieder aufzutrennen. 


Zum Rock trage ich ein Knotenshirt aus Viskosejersey nach Burdaschnitt 125 aus Heft 8/2016 vom letzten Sommer, ein Shirt mit überschnittenen Schultern und angeschnittenen Zipfeln zum Knoten am Ausschnitt. Letztes Jahr hatte ich ausführlich über den Schnitt geschrieben. Er neigt aufgrund des Materials zur Formlosigkeit, was aber an sehr, sehr heißen Tagen genau richtig ist.


Auf der IGA war "sehr, sehr heiß" aber nur gespielt (ich trug eine gekaufte Jeansjacke dazu), genauso wie die chinesische Landschaft im Hintergrund nur gespielt und Teil der Gartenausstellung ist. Den Chinesischen Garten kann man als Teil der "Gärten der Welt" in Berlin-Marzahn auch nächstes Jahr noch besuchen - für den größten Teil der Gartenausstellung und vermutlich auch für die Seilbahn gilt das nicht, da ist am 15. Oktober wohl Schluss. Wer einen ein-Tages-Kurzurlaub in allen möglichen Landschaften machen möchte, sollte sich also beeilen!

Echte Urlaubsgeschichten gibts heute im MeMadeMittwoch-Blog, der wöchentlichen Vernetzungsaktion für selbstgenähte Kleidung.


Dienstag, 22. August 2017

Loben und fast gar nicht mehr lästern - Burdastyle 9/2017 und 9/2016 im Vergleich


Als ich letzte Woche das jüngste Heft von Burdastyle durchblätterte (Ausgabe September 2017) dachte ich mir: Es ist mal wieder Zeit für eine Heftkritik. Vor ziemlich genau einem Jahr verließ die Chefredakteurin Dagmar Bily das Blatt, der Posten wurde eingespart und der Heftinhalt wird seither von Rashana Jennings (Texte) und Anastasios Voulgaris (Mode und Schnitte) verantwortet. Kommissarisch, wie es zunächst hieß, aber bisher gibt es keine Anzeichen, dass sich diese Besetzung demnächst ändern würde. Nach einem Jahr und einer spürbaren Übergangsphase des Herumdümpelns sind nun auch die Veränderungen im Heft sichtbar, die das Duo angestoßen hat, und ich muss zugeben, wie sich das Heft entwickelt, gefällt mir recht gut. Ist das Heft wirklich besser geworden, oder ich milder? Um mein Bauchgefühl zu verifizieren, vergleiche ich das Heft 9/2017 mit der Septemberausgabe aus dem Vorjahr.


Schnittauswahl und -präsentation

 

Vorausgeschickt, ich freue mich sehr für Anastasios Voulgaris, dass er nun für die Schnittkollektion verantwortlich ist. Er arbeitete schon seit 2002 bei Burda im Moderessort, aber nie an verantwortlicher Position. Die Chefredakteurinnen kamen und gingen, auch die Chefinnen des Moderessorts wechselten, er aber blieb der ewige Stellvertreter - fünfzehn Jahre lang. Es befriedigt meinen Gerechtigkeitssinn, dass nach solchem Beharrungsvermögen schließlich doch eine ordentliche Beförderung winkte. Und Voulgaris ist offenbar in der Lage, den Leserinnen zuzuhören und oft geäußerte Verbesserungsvorschläge aufzunehmen. Ich mache das an folgenden Veränderungen fest:

    Es gibt Ärmel

     

      Die Massen an Schnitten für ärmellose Oberteile und Kleider im Herbst und Winter - möglicherweise eine persönliche stilistische Marotte der früheren Designchefin - gehörten zu den häufig vorgebrachten Kritikpunkten. Die Septemberausgabe 2016 enthielt drei ärmellose Tops (Schnitte 101, 103, 122) und bei den große-Größen-Schnitten vier ärmellose bzw. kurzärmelige Kleider und eine kurzärmelige Bluse. Das Heft von diesem Jahr bringt ein ärmelloses Kleid (Schnitt 120) in Standardgrößen, eine Art Partykleid, und ein Kleid mit moderaten Cutouts an den Schultern in großen Größen (Schnitt 123). Alles andere hat Ärmel, richtige Ärmel.


        Es gibt Detailbilder


          Über das Geschick von Burdastyle, interessante Schnittdetails hinter Requisiten wie Hundewelpen, Pferden, Torten, Handtaschen oder Blumensträußen zu verstecken, habe ich hier im Blog schon zu Genüge gelästert. Manchmal wurden die Kleider auch einfach an einer liegenden Frau in den Dünen abgelichtet. Prima! Im aktuellen Septemberheft gibt es nun tatsächlich Detailbilder und Fotos von hinten - und selbst das auch dieses Mal in der Brit-Chic-Strecke unvermeidliche Pferd (S. 34) darf nur dezent von der Seite ins Bild hineinschnuppern. Großartig!


            Es gibt Klassiker


              Die Schnitte in Burdastyle orientieren sich an der Laufstegmode, ja sie sind dem durchschnittlichen Peek-und-Cloppenburg-Schaufenster mitunter um ein oder zwei Jahre voraus. Das ist manchmal toll, wenn die Mode zufällig den eigenen Geschmack und die eigenen Kleidungsvorlieben trifft, manchmal aber auch weniger, wenn das nicht der Fall ist. Der Wunsch nach zeitloseren Schnittmustern im Heft wurde gerade in Nähforen oft geäußert, und ich kann ihn nachvollziehen, auch wenn die Burda-Einzelschnittmuster eigentlich genau solche Klassiker bieten.

              Mit Heft 9/2017 haben nun im Vergleich zu 9/2016 einige aufgemotzte Klassiker Einzug gehalten: Ein schmaler Rock (Schnitt 114/115), ein Etuikleid (Schnitt 116), ein Wickelkleid (Schnitt 113) und der Blazer mit Schößchen vom Bild oben (Schnitt 118). In Heft 9/2016 gab es zum Vergleich nur einen Faltenrock (121) und einen Blazer (108), die ich als klassisch bezeichnen würde. Mit aktueller Mode haben diese Schnitte wenig zu tun, aber für Leute mit einem konservativeren Kleidungsgeschmack oder für solche ohne großen Schnittmusterfundus, die einfach nur einen Standardschnitt für einen engen Rock oder etwas ähnliches suchen, dürften diese Modelle genau das richtige sein.

                Es gibt einen Vintage-Schnitt


                  Warum BurdaStyle seinen Fundus an Schnitten aus den letzten sechzig Jahren nicht schon längst systematisch verwertet, habe ich mich lange Jahre gefragt. Erst 2014 kam die Redaktion auf die Idee, Sonderhefte mit wieder aufgelegten alten Schnitten herauszubringen, und auch die monatlichen Hefte enthielten ab und zu einen Vintage-Schnittmuster, meistens abwechselnd mit dem "Designerschnitt", manchmal fiel aber auch beides weg. Das Septemberheft vom letzten Jahr brachte als Designerschnitt ein Dirndl von Lola Paltinger, dieses Jahr gibt es ein Kleid vom September 1957, laut Editorial der Beginn einer neuen Serie mit neu aufgelegten alten Schnittmustern. Die Wahl dieses sehr erwachsenen, nicht nach typischer Retromode aussehenden Kleides macht Hoffnung auf interessante Schnitte in den nächsten Heften.
                   

                  Texte und Rubriken


                  Mit den Texten in Burdastyle ist es ja so: Kein Mensch kauft dieses Heft wegen der Texte. Die Texte sind schon gut, wenn sie nicht weiter unangenehm auffallen, mehr erwartet man nicht. Trotzdem lässt sich diese Aufgabe besser oder schlechter lösen. Neben dem eher diffusen Eindruck, dass in den begleitenden Texten zu den Modellfotos jetzt mehr auf Schnitt- und Verarbeitungsdetails eingegangen wird als früher und weniger blumiger, inhaltsloser Mode-Sprech in Wir-Form benutzt wird, ist mir der Wechsel in Stil und Ansprache besonders in einer Rubrik aufgefallen.



                  Nähen statt Hauswirtschaft



                  Die Rubrik "Wie geht eigentlich", die den "Modedoktor" ablöst, umfasst wie vorher eine Doppelseite, ja sogar die Grafikerin, die die Illustrationen macht, ist dieselbe geblieben. Im September 2017 wird das Verlegen von Brustabnähern in einer Serie von sachlichen Zeichnungen erklärt (oben im Bild auf der rechten Seite). Eine Änderung, die für gute Passform unerlässlich ist, die ich als Selbernäherin in meinen Anfangsjahren aber nicht kannte, und damit ging es mir sicher wie vielen Näh-Einsteigerinnen.

                  Die Rubrik "Modedoktor" (links) brachte hingegen vor einem Jahr eine Bügelanleitung - und nicht etwa für das Bügeln während des Nähens, sondern für das Bügeln von Hemden und Blusen, dekoriert mit süßen Pünktchen und einer putzigen Vignette, die eine Krankenschwester im fünfziger-Jahre-Stil zeigt. Die Problematik - wie werden Hemden faltenfrei gebügelt - wurde in eine Frage-Antwort-Sequenz eingekleidet, es handelte sich also um eine Art hauswirtschaftlichen Rat "von Frau zu Frau". Ich glaube ich muss nicht extra betonen, wie wenig mich im Kontext einer Nähzeitschrift (und übrigens auch sonst) das korrekte Bügeln von Oberhemden interessiert, und wie rückwärtsgewandt und betulich ich so eine Seite mit Haushaltstipps finde. In den anderen Modedoktor-Folgen wurden in der gleichen Aufmachung durchaus auch mal Nähtechniken erklärt, aber ich erinnere mich auch gut daran, dass in den Warenkunde-Rubriken in den letzten Jahren auch mal Wäschetrockner, Staubsauger oder Feinwaschmittel besprochen wurden.

                  Die schleichende Hauswirtschaftisierung des Burdastyle-Magazins, die sich auch im Auftauchen von Backrezepten äußerte, scheint mir aber vorerst gestoppt. Die Basteln-und-Backen-Rubrik werden wir wohl leider nicht mehr los, auch wenn sie zur Zeit nicht mehr dazu da ist, das richtige Umfeld für die Anzeigen eines Likörherstellers zu bieten. Immerhin ist der Bastelanteil gestiegen und der Kochrezeptanteil gesunken, das werte ich als kleinen Hoffnungsschimmer.

                  Höherer Preis, weniger Schnitte?


                  Mit der Ausgabe 9/2017 stieg der Heftpreis um 1 Euro, von 5,90 auf 6,90. Einen Hinweis oder eine kleine Erklärung in Heft hätte ich zwar schön gefunden, aber ich finde den Preis für das Schnittmusterheft auch jetzt noch vollkommen in Ordnung und kann mich gar nicht erinnern, wann der Preis zuletzt erhöht wurde - es muss Jahre her sein. Bei den wenigen Anzeigen, die das Heft mittlerweile enthält, finde ich eher erstaunlich, dass man es noch immer zu diesem Preis anbieten kann. Und da, wo ich wohne, bekommt man für 1 Euro nicht einmal eine Kugel Eis.

                  Sehr oft liest man den an Burda gerichteten Vorwurf, das Heft enthalte jedes Jahr weniger Schnittmuster. Der Vergleich von 9/2016 mit 9/2017 bestätigt das so nicht: In beiden Heften gibt es zahlreiche Modelle, die nur durch eine kleine Variation eines Schnittes entstehen, eine andere Länge z. B. oder ein Kleidoberteil, das ein andernmal als Bluse fungiert. Die Menge an unterschiedlichen Schnittgrundlagen erscheint mir gleich - wobei Heft 9/2016 insofern eine schlechte Vergleichsgrundlage bietet, weil allein vier fast identische Dirndlschnitte enthalten sind, die aber alle eine eigene Modellnummer erhalten haben. Das müsste man auf der Grundlage von mehr Heften einmal auszählen. Verglichen mit der Handvoll Schnittmuster, die z. B. Maison Victor bietet (für 7,95) finde ich das Schnittangebot bei Burda aber immer noch sehr üppig.

                  Mein Schnittfavorit der Ausgabe




                  Die Wolljacke mit Kelchkragen und Pattentaschen, Modell 119, ist mein Favorit in dieser Ausgabe. Ich habe einige schöne, dicke Wollstoffe und brauche langsam mal einen Ersatz für die schwarze kurze Walkjacke, die ich im Herbst oft trage. Susanne - Sujuti hat auch ein Auge auf den Schnitt geworfen und kommentierte letztens, dass diese A-Form gerade dabei wäre, Blousonjacken abzulösen. Prima, dann nähe ich mir doch keine Bomberjacke mehr (ob ich sowas mag und ob es zu mir passen könnte, darüber denke ich seit etwa zwei Jahren nach), sondern springe schnell auf den A-Jacken-Zug auf. Nicht sicher bin ich wie gesagt, was die dreiviertellangen, weiten Ärmel betrifft. praktisch ist das nicht, aber vielleicht schön?  An nicht zu kalten, nicht zu windigen Herbsttagen, goldener Oktober und so? Mal sehen.

                  Ich hoffe, die Heftkritik hat euch Spaß gemacht - eine regelmäßige Heftbesprechung aus weiblicher und männlicher Perspektive gibt es auch beim Erschöpften Quota hier, falls ihr von Burda noch nicht genug habt. Ich glaube, der weiße Rollkragenpullover ist wirklich derselbe... Alle Modelle aus 9/2017 gibt es hier zu sehen, und natürlich interessiert mich eure Meinung zu diesem Heft!

                  Dienstag, 15. August 2017

                  Was ich gerade treibe, Pläne und Näh-Nachrichten aus dem Netz


                  Hier ist es gerade ein bißchen stiller zur Zeit, aber das liegt nicht an Urlaubsaktivitäten im Hause Nahtzugabe, sondern im Gegenteil an recht viel Arbeit auf einmal. Im Frühjahr 2018 wird es ein neues Buch geben, ein Anleitungsbuch für Patchwork und Quilts, dieses Mal wieder beim BuchVerlag für die Frau in Leipzig, wo zuletzt auch das "Neue Leben für alte Kleider" erschienen war. Ich bin also dabei, zu planen und zu schreiben, Stoffe auszuwählen und zu nähen - alles irgendwie parallel, denn ich möchte im November weder mit einem Berg noch zu nähender Patchworkprojekte, noch mit vielen leeren, noch zu füllenden Seiten dasitzen.


                  Im Kopf ist schon alles quasi fertig, ich muss es also "nur noch schnell alles aufschreiben" - dieser Spruch war früher ein Witz in meiner Doktorandengruppe, denn wie man sich vorstellen kann, fangen bei "nur noch aufschreiben" die Schwierigkeiten erst an. Bei Anleitungen für Quilts gilt das ganz besonders. Wenn man nicht nur einfarbige Stoffe oder Stoffe aus verbreiteten Quiltstoffserien verwendet, muss man sicherstellen, dass andere die Projekte mit ähnlichen Stoffen nacharbeiten können und bei der Stoffauswahl nicht verzweifeln. Die mosaikähnlichen Stoffrestequilts, die ich früher genäht habe - sowas wie hier oder hier - eignen sich überhaupt nicht dazu. Da bin ich gerade dabei, einen Mittelweg zu finden: Stoffe, die so ähnlich überall erhältlich sind, ohne dass das Ergenis eintönig wird.

                  Ein ausgedehnter Sommerurlaub kommt dieses Jahr also nicht in Frage, und auch ein neues, selbstverlegtes Buch muss noch etwas warten, obwohl ich einige Ideen und Pläne habe. Ein selbstgemachtes Buch wäre auf jeden Fall wieder eine große Herausforderung - nur weil beim Stofflexikon alles klappte und das Buch begeisterte Rückmeldungen bekommt und sich gut verkauft, bilde ich mir nicht ein, das Büchermachen und -verkaufen verstanden zu haben. Das Ziel in ferner Zukunft, ein sympathischer Kleinverlag zu textilen Themen, mit sehr guten Anleitungsbüchern und interessanten Büchern zur Kulturgeschichte der Textilien, ist sehr ambitioniert - vielleicht ist das ganze auch gar nicht zu schaffen, aber ich möchte es wenigstens versuchen. Immer wenn ich mal wieder einen Einblick bekomme, wie die meisten etablierten Handarbeitsverlage arbeiten, was dort alles nicht gemacht wird, weil es als zu wenig massentauglich gilt, dann denke ich doch, dass es daneben noch eine kleine, nicht unkomfortable Nische geben müsste, und da will ich hin. Aber bis dahin ist noch sehr, sehr viel zu lernen.


                  Auf dem Nähtisch


                  Noch für den Sommer oder schon für den Herbst nähen? Das wechselhafte und ab und zu recht kalte Wetter macht es nicht leicht, sich noch der Sommergarderobe zu widmen. Ich hatte ein weiteres Ansa-Butterfly-Kleid aus leichter Viskose geplant und außerdem ein ärmelloses Sommerkleid aus Waxprint, aber ich bezweifele, dass es diesen Sommer noch dazu kommt, falls uns nicht noch eine Hitzewelle überrascht. Das schon lange geplante Anna-Kleid nach By Hand London aus der im März bei der Stoffspielerei selbstgefärbten Baumwolle habe ich aber vorletztes Wochenende beim Nähtreffen immerhin schon angefangen, und es macht bis jetzt einen guten Eindruck - das wird demnächst fertig.


                  Außerdem fast fertig ist eine Chobe-Tasche nach dem tollen Schnitt von Elle Puls. Auch die lag schon sehr lange, seit Jahresanfang da, ehe die schwierige Suche nach der passnden Taschen-Hardware das Projekt stocken ließ.  

                  Konkrete Nähpläne für den Herbst wollen sich aber auch noch nicht einstellen. Eine kurze Wolljacke, eventuell in A-Linie, auf jeden Fall mit Pattentaschen und schönem Kragen, würde ich mir gerne nähen. In etwa wie die Jacke 119 aus dem Burda-September-Heft, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob diese glockigen Ärmelabschlüsse das richtige für mich sind. Zu den letzten zwei Burda-Heften würde sich aber mal wieder ein Beitrag lohnen - da tut sich offensichtlich wieder was beim Konzept, und das geht durchaus in die richtige Richtung, finde ich.

                  Näh-Nachrichten aus dem Netz


                  Oder "Informationen querbeet", wie eine meiner Lieblingsbloggerinnen schreibt. Dank eines sehr verbesserten Internetanschlusses kann ich jetzt Tipps wie das Fashion Weekend auf arte mit lauter interessanten Modefilmen am 29. September bis 1. Oktober nicht nur weitergeben, sondern mir sogar auch selber ansehen. Die für mich ganz neue Möglichkeit des ruckelfreien Betrachtens von Filmbeiträgen hat noch nicht dazu geführt, dass ich sämtliche Mediatheken leergucke, aber es ist schön, dass das jetzt überhaupt als Freizeitgestaltung in Frage kommt. Am 1. Oktober ab 17.10 Uhr läuft bei arte zum Beispiel die Dokumentation über Dries van Noten, über die ich vor ein paar Wochen geschrieben hatte.  

                  Die Serie Game of Thrones hat ja jetzt auch wieder angefangen, aufgrund der vormaligen Internet- und Fernsehsituation hier bin ich völlig draußen und werde das auch nicht mehr aufholen, aber die Fans finden vielleicht diesen Artikel über die modehistorischen Bezüge der Kostüme interessant, den ich gerne gelesen habe, obwohl ich von der Serie nur ein paar Bilder kenne.

                  Um die Abbildungen von Kleidung in der Kunst und die damit verbundenen Fragestellungen und Probleme geht es bei einer Konferenz in Berlin in der Lipperheidischen Kostümbibliothek am 14. und 15. 9. - Programm und (kostenlose) Anmeldung hier: 'All that glitters...': Visual representations of dress in the early modern and the boundaries of reliability". Ärgerlich, dass ich am 15. nicht in Berlin bin, die Vorträge an beiden Tagen hören sich interessant an.

                  Ebenfalls in Berlin, im Museum Europäischer Kulturen, läuft noch bis Ende Januar die Ausstellung Anna webt Reformation. Ein Bildteppich und seine Geschichten. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht ein Bildteppich von 1667 aus Dithmarschen, der anlässlich des damaligen Reformationsjubiläums in Auftrag gegeben wurde. Neben dem Teppich sollen auch weitere Textilien zu sehen sein - ich habe die Ausstellung noch nicht besucht, werde das aber so bald wie möglich einplanen.

                  Neben dem Reformationsjahr haben wir ja auch, auf dem Kontinent vielleicht etwas weniger präsent, das Jane-Austen-Jahr, nämlich Jane Austens zweihundertsten Todestag. Bei der BBC gab es zu diesem Anlass eine vergnügliche Doku über eingefleischte Austen-Fans und ihre Unternehmungen, die Autorin und ihre Zeit weiterleben zu lassen: My friend Jane. (noch 5 Tage in der Mediathek)

                  Und zuletzt habe ich für euch noch einen weiteren nützlichen Artikel des Beswingten Allerleis: Widerrruf und Reklamation beim Stoffkauf.